
Zwei Jahre Sprachkonzept: Wie Kinder Sprache im Alltag entdecken – Einblick aus der Kita Otterweg
Wie lebendig und selbstverständlich Sprachbildung im Alltag funktioniert, zeigt die Stadt Kornwestheim seit zwei Jahren mit ihrem Konzept zur alltagsintegrierten Sprachbildung und Sprachförderung. Ziel ist es, Sprache nicht als isoliertes Lernfeld zu verstehen, sondern als festen Bestandteil des täglichen Miteinanders in den städtischen Kindertageseinrichtungen.
Wie dieser Ansatz konkret aussieht, lässt sich beispielhaft in der Kita Otterweg beobachten. Dort fand Mitte Februar bereits zum dritten Mal eine besondere Vorlesesituation statt: Eine Mutter der Einrichtung las den Kindern ein Bilderbuch in Gebärdensprache vor. Parallel dazu sprach eine pädagogische Fachkraft den Text laut mit. Die Kinder verfolgten die Geschichte "Elmar und die Farben" aufmerksam – darunter auch zwei Kinder mit Hörbeeinträchtigung.
Die Szene verdeutlicht anschaulich, was das Kornwestheimer Sprachkonzept ausmacht: Sprache wird im gemeinsamen Erleben, Beobachten und Mitmachen erfahrbar. Gebärden wie Farben, Tiere oder Gegenstände sind für die Kinder leicht zugänglich, oft bildhaft und laden unmittelbar zur Beteiligung ein. Die Kinder beobachten genau, probieren aus und kommunizieren aktiv mit – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen.
Die Kita Otterweg ist eine inklusive Einrichtung, in der mehrere Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen betreut werden. Eine Fachkraft für Inklusion begleitet dort nicht nur einzelne Kinder, sondern bereichert den gesamten Kita-Alltag. Gebärdensprache ist dabei kein Sonderfall, sondern wird insbesondere in der Inklusionsgruppe regelmäßig genutzt. Sie erleichtert die Verständigung, schafft zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten und unterstützt nachweislich Sprachentwicklung, Konzentration und Feinmotorik – bei allen Kindern.
Zehn städtische Kitas setzen das Sprachkonzept um
Aktuell profitieren zehn städtische Einrichtungen von zusätzlichen Sprachfachkräften, die die Teams dabei unterstützen, sprachförderliche Momente bewusst zu begleiten und die Interessen der Kinder aufzugreifen.
"Sprachentwicklung findet mitten im Alltag der Kinder statt – und sie entfaltet sich besonders dann, wenn Kinder mit Freude sprechen, erzählen und sich mitteilen", betont Kathrin Damköhler, Verantwortliche für die Umsetzung des Konzepts bei der Stadt Kornwestheim. "Ob beim Vorlesen, Singen, Spielen oder Entdecken – jede Interaktion kann sprachförderlich sein. Unser Ansatz stärkt die Fachkräfte darin, diese Situationen zu erkennen und gezielt zu nutzen."
Alle Einrichtungen sollen künftig davon profitieren
Inhaltlich knüpft die Stadt an das frühere Bundesprogramm "Sprach-Kitas" an, das in Baden-Württemberg als Landesprogramm fortgeführt wird. Langfristig soll das Kornwestheimer Sprachkonzept in allen städtischen Einrichtungen fest verankert und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei werden auch aktuelle Entwicklungen wie das Sprachförderkonzept "SprachFit" und der weiterentwickelte Orientierungsplan berücksichtigt.