"The Paper Code": Künstlerin Marion Eichmann stellt im Museum im Kleihues-Bau aus
In einer Welt, in der digitale Kommunikation und digitale Bilder unseren Alltag dominieren, scheint das altehrwürdige Material Papier fast wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Gleichzeitig eröffnet gerade dieses Medium eine schier endlose Fülle an künstlerischen Möglichkeiten. Papier lässt sich zeichnen, schneiden, schichten und in den Raum erweitern.
Für Marion Eichmann ist es nicht nur Träger von Bildinhalten, sondern Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit und Mittel, um unsere alltägliche Umwelt neu zu betrachten. Die Einzelausstellung "The Paper Code", die mit der Vernissage am Freitagabend, 6. Februar 2026, um 19:00 Uhr im Museum im Kleihues-Bau eröffnet wird, zeigt eine umfangreiche Werkschau der Berliner Künstlerin Marion Eichmann und versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Werkphasen. Farbintensive Collagen, reliefartige Wandarbeiten und raumgreifende Installationen führen in eine Alltagswelt aus urbanen Räumen und alltäglichen Objekten. Sportliche Autos, Waschmaschinen, Abfalltonnen oder sanitäre Motive erscheinen vertraut und zugleich überraschend, da sie aus ihrem gewohnten Zusammenhang gelöst und neu zusammengesetzt werden.
Ausgangspunkt von Eichmanns Arbeiten sind genaue Zeichnungen alltäglicher Dinge, die sie in Collagen und Papierarbeiten überführt. In der Ausstellung sind unter anderem großformatige Werke wie "Porsche 911", "Gelbe Tonne" oder "WC" zu sehen. Die Motive stammen aus unterschiedlichen Bereichen des Alltags, die im allgemeinen Kunstverständnis als nicht bildwürdig erachtet werden würden. Durch diesen humorvollen Blick auf unsere Umwelt und die präzise Formgebung sind die Werke miteinander verbunden und verwandeln die Ausstellung in ein Fest der Farbe. Es entstehen neue Bilder, die das Bekannte fremd wirken lassen und den Blick auf Details lenken, die sonst leicht übersehen werden.
In ihrer Arbeit mit Messer, Schere und Papier knüpft Marion Eichmann zugleich an bekannte Positionen der Kunstgeschichte an. Die Konzentration auf Alltagsgegenstände, kräftige Farben und klare Formen lässt Bezüge zur Pop Art erkennen, etwa zu Andy Warhol oder Tom Wesselmann, ebenso zum sachlichen Realismus.
Besonders präsent in der Ausstellung ist die Installation "Laundromat". Waschmaschinen und Trockner werden hier nicht nur als einzelne Arbeiten gezeigt, sondern zu einer zusammenhängenden Rauminstallation verbunden. Der Waschsalon wird zu einem begehbaren Raum, der an alltägliche Orte in der Stadt erinnert. Einen bewussten Kontrast hierzu bilden die großformatigen Blumenstillleben. Anders als die klar strukturierten technischen Objekte stehen hier organische Formen und fließende Linien im Mittelpunkt. Als gestalterisches Mittel nutzt Eichmann dabei die Verdoppelung der Linien, die sie partiell auf die Zeichnung aufklebt und diese so plastisch hervorhebt.
Zur Person
Marion Eichmann studierte von 1996 bis 2002 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Bereits ihre frühen Arbeiten waren als Raumcollagen angelegt. Wichtige Impulse für ihr Werk erhielt sie durch Auslandsaufenthalte, unter anderem in Tokio im Rahmen eines DAAD-Stipendiums sowie in New York und Istanbul, wo Zeichnungen von Stadtansichten entstanden, die sie später zu großformatigen Collagen und Installationen weiterentwickelte. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt und sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. 2021 wurde sie vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestages mit einem umfangreichen Kunstprojekt beauftragt, das im Reichstagsgebäude und später in Brüssel ausgestellt wurde.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie konsequent sich Marion Eichmann in ihrem Werk mit den Bildern und Formen unseres Alltags auseinandersetzt "The Paper Code" macht die Vielseitigkeit des Papiers sichtbar und zeigt, wie aus einfachen Materialien vielschichtige Bild- und Raumwelten entstehen. Die Ausstellung lädt dazu ein, scheinbar Vertrautes neu zu entdecken.