Oberbürgermeisterin Ursula Keck überreicht Mustafa Temel die Auszeichnung. 

Auszeichnungen für Mustafa Temel und den Ökumenischen Arbeitskreis Asyl Kornwestheim

Zwei Auszeichnungen hat Oberbürgermeisterin Ursula Keck bei einer Feierstunde im Kornwestheimer Rathausfoyer verliehen. Mustafa Temel hat das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Mit der Städtischen "Gedenkmünze für besonders soziales Wirken" wurde der Ökumenische Arbeitskreis Asyl geehrt.  

Ursula Keck überreichte die Auszeichnungen in Anwesenheit einiger Wegbegleiter/-innen. Dazu gehörten auch Mitglieder des Gemeinderates sowie die Grünen-Landtagsabgeordnete Silke Gericke. "Wir ehren Personen, die sich seit vielen Jahren für das gesellschaftliche Zusammenleben stark machen, sich für ihre Mitmenschen einsetzen und denen Integration und Teilhabe eine Herzensangelegenheit sind", wies die Oberbürgermeisterin auf das verbindende Element der beiden Ehrungen hin. 

Initiator deutsch-türkischer Fußallprojekte

Mustafa Temel ist im Jahr 1960 in der Türkei geboren und war 14 Jahre alt, als er nach Kornwestheim zog. Bereits vier Jahre später gründete er den Türkischen Sportclub, in dem er in verschiedenen Funktionen mehr als 40 Jahre lang tätig war. Temel, selbst ein begeisterter Fußballer, initiierte unter anderem deutsch-türkische Fußballprojekte. Aus dem Türkischen Sportclub wurde im Jahr 1981 der Türkische Kulturverein und damit der Grundstein für die interkulturelle Vereinsarbeit gelegt. Mustafa Temel gehörte 30 Jahre lang dem Ausländerbeirat der Stadt Kornwestheim an. Bei der Salamander AG fand er seine berufliche Heimat. Dort war er bis zur Schließung tätig, zuletzt als Betriebsrat. 

Wegbereiter einer multikulturellen Gesellschaft

"Sie gehörten zu den Wegbereitern einer offenen, multikulturellen und vielschichtigen Gesellschaft, lange bevor es Begriffe wie ,Willkommenskultur, Diversity oder Chancengleichheit' überhaupt gab", richtete sich Ursula Keck an den Geehrten. Sie betonte auch, dass der Alltag nicht funktionieren würde, ohne die Menschen, die als Gastarbeiter/-innen nach Deutschland gezogen seien. Temel sei es gelungen, seine türkische Identität zu pflegen und gleichzeitig eine offene Stadtkultur zu definieren. "Wir wollen gemeinsam dafür eintreten, unseren Frieden zu bewahren und uns zu dieser Gesellschaft zu bekennen", appellierte Oberbürgermeisterin Ursula Keck an die Gäste im Rathausfoyer, bevor sie dem 61-Jährigen den Verdienstorden ans Revers steckte und die Urkunde überreichte. Zu den Gratulanten gehörte auch Landrat Dietmar Allgaier, der seine Glückwünsche in einer sehr persönlichen Videobotschaft übermittelte. 

Große soziale Verantwortung

Stellvertretend für den gesamten Ökumenischen Arbeitskreis Asyl überreichte Ursula Keck dessen Sprecherinnen Martha Albinger, Waltraud Wieland und Gabi Blatter-Federoff die "Gedenkmünze für besonderes soziales Wirken" der Stadt Kornwestheim. "Ihre Motivation ist ein Zeichen einer großen sozialen Verantwortung, einer hohen Selbstmotivation und einer inneren, humanitären Haltung", so die Oberbürgermeisterin in ihrer Laudatio. 

Die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl bringen nicht nur viel Zeit, Mühe und Wissen in Ihre Arbeit mit Flüchtlingen ein. "Nein, es ist sogar noch viel dramatischer. Sie arbeiten in einem ehrenamtlichen Bereich, der oft hinterfragt oder angefeindet wird", so Keck. Zweifelhafte Stimmungsmacher würden die humanitäre Arbeit ablehnen, obwohl sie selbst keine Antwort darauf hätten, wie man mit den Menschen, die hier ankommen, umgehen solle. "Wir werden Migrationsbewegungen nicht verhindern können. Die gab es zu jeder Zeit", zeigte sich die Rednerin überzeugt. 

Die Mitglieder des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl mit Oberbürgermeisterin Ursula Keck und Kadir Koyutürk, dem städtischen Beauftragten für Integration, Soziales und Bürgerengagement.

Engagement strahlt wie ein Leuchtturm

"Die Stadt Kornwestheim kann sich glücklich schätzen, dass sie viele Menschen hat, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren", sagte die Oberbürgermeisterin. Das Engagement des Arbeitskreises Asyl strahle "wie ein Leuchtturm in die Stadtgesellschaft" hinein. Sie ließ in ihrer Rede nicht außer Acht, dass dieses Engagement angesichts unklarer Lebensperspektiven der Betreuten oft mit einer emotionalen Belastung verbunden ist. Nach der Übergabe individueller Urkunden an jedes ehrenamtliche Mitglied des Arbeitskreises bedankte sich Marianne Geiger stellvertretend für die besondere Auszeichnung. Sie wies noch einmal auf die vielfältigen Aktivitäten des Arbeitskreises hin. Neue Mitglieder seien jederzeit willkommen. 

Glückwünsche per Videobotschaft übermittelte Renate Schwaderer, Mitbegründerin und langjährige Förderin des Arbeitskreises Asyl, die vor wenigen Monaten für ihr Engagement mit der Philipp-Matthäus-Hahn-Medaille der Stadt Kornwestheim ausgezeichnet worden ist. Für die musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgte Cemil Aydemir von der Musik- und Kunstschule Mosaik in Esslingen, mit einer Tanzdarbietung begeisterte Murat Yilmaz von der AHENK Dance Academy.