Das Ergebnis des Jugendhearings zeigt: Kornwestheims Jugendliche vermissen es, sich mit Freunden zu treffen.
Das Ergebnis des Jugendhearings zeigt: Kornwestheims Jugendliche vermissen es, sich mit Freunden zu treffen. Foto: Pixabay

Jugendhearing: Kornwestheims Jugendliche vermissen es, sich mit Freunden zu treffen

Die Abteilung Jugend der Stadt Kornwestheim hat vom 4. bis 14. Dezember 2020 eine Umfrage unter Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren durchgeführt. Aufgrund der besonderen Situation durch die Corona-Pandemie fand das Jugendhearing zum ersten Mal online statt. 272 Jugendliche haben mitgemacht und Fragen zum Thema Freizeit, Freunde, Schule und Digitalisierung beantwortet sowie anderen Jugendlichen Tipps gegeben.

"Wir haben uns entschieden, eine Umfrage zu machen, weil uns die Jugendlichen gesagt haben, dass sie sich nicht gehört fühlen", sagt Uschi Saur, Leiterin der Abteilung Jugend. Ziel der Umfrage sei es deshalb auch, den Jugendlichen Gehör zu schenken. Die Ergebnisse sollen auf vielfältige Weise über die Stadt Kornwestheim, die Presse und Social Media veröffentlicht werden. "Damit wollen wir bezwecken, dass Gespräche zwischen Eltern und Kindern, Lehrkräften und Schüler*innen, beziehungsweise Jugendlichen geführt werden", erklärt Saur. Da die Auswertung einer Umfrage immer nur die Gesamtheit der Antworten widerspiegeln könne, könnten bei persönlichen Gesprächen die Bedürfnisse des Einzelnen oder einer Gruppe im Vordergrund stehen. "Wünschenswert wäre außerdem, wenn aus der Umfrage konkrete Impulse entstünden", so Saur.

Viel Zeit zu Hause verbracht

"Mit 272 Jugendlichen haben wir bei dieser Umfrage deutlich mehr Jugendliche erreicht als bei den bisherigen Jugendhearings", führt die Leiterin aus. 91 Prozent der beteiligten Jugendlichen sind zwischen 12 und 17 Jahren, was der Hauptzielgruppe der Abteilung Jugend entspricht. Etwa 60 Prozent der Beteiligten bezeichnen sich als weiblich, circa 38 Prozent als männlich und ca. 1,5 Prozent als divers. 176 Jugendliche gehen aufs Gymnasium, 50 auf die Realschule, 15 auf die Gemeinschaftsschule und neun aufs SBBZ. Eine kleine Anzahl ist nicht mehr an der Schule (Ausbildung, Beruf, FSJ und Studium oder Sonstiges).

Die Jugendlichen gaben an, die letzten Monate fast täglich zu Hause gewesen zu sein und selten mal bei Freunden. "Den Umständen entsprechend ist das verständlich, aber es ist nicht normal. Jugendliche verbringen eigentlich viel Zeit auf öffentlichen Plätzen, in Einrichtungen oder bei Freunden", erklärt Saur. Wobei viele der Einrichtungen wegen des Lockdowns ganz schließen mussten oder nur bedingt zugänglich waren.


Generell habe sich die Art der Treffen verändert. Es wurde zum Beispiel häufiger digital kommuniziert, um auf die Corona-Maßnahmen zu achten. Dabei waren sich die Jugendlichen der Gefahren digitaler Kommunikation durchaus bewusst. Man sehe sich nicht, das sorge für Missverständnisse und die Kommunikation über Netzwerke ersetze keine physischen Kontakte. Viele der Befragten gaben außerdem an, viel draußen in der Natur gewesen zu sein. Langweilig sei den Befragten aber nicht gewesen, denn 40 Prozent teilten mit, dass ihnen kein Freizeitangebot gefehlt hätte. Wiederum 32 Prozent haben es vermisste, Sport zu machen.

Wer noch zur Schule geht, konnte auch Fragen zum digitalen Unterricht beantworten. Etwa 70 Prozent der 210 Jugendlichen haben angegeben, immer einen guten Zugang zu technischen Geräten und Programmen für den Fernunterricht gehabt zu haben. "Ich habe insgesamt von den Jugendlichen eher die Rückmeldung bekommen, dass der Internetzugang nicht einwandfrei funktioniert", erklärt Christ. Der Sozialpädagoge könne sich vorstellen, dass das Ergebnis auch hier wieder stark abhängig davon ist, auf welche Schule die Jugendlichen gehen. Auch während der Schließung der Schulen, hätten die Schülerinnen und Schüler viele Hausaufgaben zu erledigen gehabt. Dem stimmten etwa 60 Prozent komplett zu und 30 Prozent stimmten eher zu. Auf das kommende Schuljahr fühlt sich trotzdem nur etwa die Hälfte der Jugendlichen gut vorbereitet.

Jugendliche denken positiv und geben Tipps

Viele der Befragten konnten aus den vergangenen Monaten aber auch Positives ziehen. "Die Jugendlichen gaben zum Beispiel an, mehr Zeit für die Familie gehabt zu haben, neue Kompetenzen erworben zu haben und besser zu sich selbst gefunden zu haben. Der letzte Punkt freut mich als Sozialpädagoge natürlich umso mehr", erklärt Christ. Außerdem hatten die Jugendlichen auch Tipps für andere: "Positiv und stark bleiben", wurde häufig genannt. Aber auch zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen wurde aufgefordert. "Diesen Punkt finde ich besonders bemerkenswert, weil er noch mal zeigt, wie verantwortungsbewusst die Jugendlichen sind", findet Saur.

Impulse aus der Jugendbefragung werde auch die Abteilung Jugend ziehen. "Sobald wir können, werden wir coronakonform wieder reale Angebote machen. Aber auch in der aktuellen Situation sind die Mitarbeiter*innen der Abteilung Jugend telefonisch, online und persönlich in Einzelberatungen da", so die Leiterin der Abteilung Jugend.

Die Ergebnisse des Jugendhearings sind hier (717,2 KB) zu finden.