"Executive Talk" zum Thema Zukunft der Arbeit in der digitalen Transformation

Wie wird die Digitalisierung unsere zukünftige Arbeitsumwelt beeinflussen? Diese Frage stand im Vordergrund des "Executive Talks", den die Knowledge Foundation der Hochschule Reutlingen im Salamander Areal in Kornwestheim veranstaltet hat. Bei der hybriden Auftaktveranstaltung haben knapp 60 Personen teilgenommen. 

Die Eventreihe thematisiert Themen rund um die digitale Transformation. Digitale Transformation bezeichnet einen fortlaufenden Veränderungsprozess in der Wirtschaft und Gesellschaft, der durch den Fortschritt digitaler Techniken und Technologien ausgelöst wird. Zu jedem Event werden Führungskräfte aus der Wirtschaft, Bildung und Politik eingeladen, die ein bestimmtes Thema vorstellen und diskutieren. Neben zwei Vorträgen gab es an diesem Abend auch eine Podiumsdiskussion. 

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Die digitale Transformation hat einen einschneidenden Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft, was in der Praxis bedeutet, das neue Technologien alte ablösen. Nach einer Studie der Universität Oxford werden 47 Prozent der bislang bekannten Berufsbilder im gesamten Arbeitsmarkt bis 2030 verschwinden oder radikal verändert.

Dr. Alexander Rossmann, Leiter des Herman Hollerith Zentrums (HHZ) in Böblingen, in seinem Vortrag
Dr. Alexander Rossmann, Leiter des Herman Hollerith Zentrums (HHZ) in Böblingen

„Der Einfluss digitaler Technologien auf die Arbeitswelt der Zukunft ist immens. Inhalte und Formen der Arbeit verändern sich grundlegend. Dies führt einerseits zu Überschüssen an Kompetenzprofilen, die nicht mehr gebraucht werden. Gleichzeitig wird der Mangel an Talenten und Expertise am Standort Deutschland in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen“, erklärt Prof. Dr. Alexander Rossmann, Leiter des Herman Hollerith Zentrums (HHZ) in Böblingen, in seinem Vortrag.

Gefragt seien künftig vor allem digitale Talente und Kompetenzen. Diese seien jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend knapp. Es drohe eine Verschärfung des sogenannten „War for Talents“ (Krieg der Talente) mit gravierenden Folgen für die Kosten des Faktors Arbeit und das Wachstum der Wirtschaft im Allgemeinen.

„Wir haben ein enormes Bildungs- und Bedarfsdefizit im Bereich IT in Deutschland. Auf jeden Studien- oder Ausbildungsabschluss kommen in den nächsten Jahren neun offene Stellen. Wir bilden heute eindeutig zu wenig aus. Dessen müssen wir uns bewusst sein und aktiv an Lösungen arbeiten. Denn Fakt ist: Wissen ist der Rohstoff unserer Zukunft“, findet Dr. Ralf Hofmann, Geschäftsführer der MHP Management- und IT-Beratung GmbH. 

Dr. Ralf Hofmann, Geschäftsführer der MHP Management- und IT-Beratung GmbH
Dr. Ralf Hofmann, Geschäftsführer der MHP Management- und IT-Beratung GmbH

Wie diese Lösungen aussehen können, damit beschäftigt sich Ralf Greis, Senator und Vorsitzender der Kommission Zukunft Personal und Arbeitswelt im Senat der Wirtschaft Deutschland. Ziel dieser Kommission ist es, auf die Entwicklung der Arbeitswelt zu reagieren und Lösungen zu finden, wie Personalfindung, -bindung und -entwicklung künftig funktionieren kann. 

Digitalisierung im Alltag

Was mit dem Thema Digitalisierung einhergeht, ist der Fachkräftemangel, der auch im Landkreis Ludwigsburg deutlich spürbar ist, wie Sigrid Zimmerling, leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, zu berichten weiß. Dieser betreffe nicht nur das Handwerk, der Fachkräftemangel ziehe sich durch alle Qualifikationsstufen hindurch, ergänzt Oliver Reichert, Wirtschaftsförderer des Landkreises Ludwigsburg. Der Frage, wo die Fachkräfte künftig herkommen sollen, entgegnete Ursula Keck, Oberbürgermeisterin der Stadt Kornwestheim, ganz gezielt: "Wir müssen weitere Zielgruppen ansprechen und dazu gehören vor allem auch Menschen mit Migrationshintergrund." 40 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner in Kornwestheim haben einen internationalen Hintergrund. "Diese Menschen zu erreichen, ist eine zentrale Aufgabe, um den Fachkräftemangel künftig anzugehen", so Keck weiter. 

Digitalisierung ist - und dazu hat die Corona-Pandemie ebenfalls beigetragen - im Alltag angekommen, ob in Unternehmen, Schulen oder Hochschulen. Homeoffice, Homeschooling oder digitale Vorlesungen, alle Möglichkeiten werden seit Beginn der Pandemie ausgeschöpft. Dass es aber nicht reicht, den Schülerinnen und Schülern einfach ein Tablet in die Hand zu drücken und von Digitalisierung zu sprechen, weiß die Oberbürgermeisterin. "Ich habe den Vorteil, bei Fragen einen IT-Berater in der Verwaltung zu haben. Das haben aber viele andere nicht. Ich befürchte, dass wir ganz viele Menschen verlieren, weil sie an den digitalen Beteiligungsprozess nicht angeschlossen sind."  

Digitalisierung ist eine Herausforderung

Die Digitalisierung bringt sowohl für Unternehmen und deren Mitarbeiter/-innen als auch für den Staat und die Gesellschaft erhebliche Herausforderungen mit sich. Im Vordergrund der ständigen Veränderung steht die Bereitschaft, sich stetig fort- und weiterzubilden. Diesem Ziel stimmten alle Teilnehmer/-innen an diesem Abend zu. Denn letztlich wird diese Bereitschaft entscheidend sein, wenn es darum geht, neue Technologien einzuschätzen beziehungsweise mitzugestalten. In etwa sechs Monaten soll die Reihe fortgesetzt werden.

(Erstellt am 24. Februar 2022)