Offener Brief an pattonville2018@web.de, den oder die Flugblatt-Verfasser/in

Pattonviller Einwohnerinnen und Einwohner finden in ihren Briefkästen ein anonym verfasstes Flugblatt zur „Zentralen Flüchtlings-Anschlussunterbringung in Pattonville“. Die Vorsitzenden des Zweckverbandes Pattonville, Oberbürgermeister Dirk Schönberger und Oberbürgermeisterin Ursula Keck, reagieren mit folgendem offenen Brief an den oder die anonymen Verfasser/in:

Sehr geehrte/r pattonville2018@web.de,

wir haben Ihr Flugblatt erhalten. Schade, dass wir Sie nicht mit Namen ansprechen können.
Wir freuen uns, dass Sie die Pattonviller Bürger dazu aufrufen, an der Informationsveranstaltung am 4. Juli 2018 in Pattonville teilzunehmen.

Wie Sie richtig sagen, ist bei dieser Veranstaltung Ihre Meinung gefragt.

Es wird darum gehen, Fragen, Ängste und Bedenken zu äußern und darauf werden wir dann im nachfolgenden Workshop am 7. Juli 2018 eingehen.

Leider erhält Ihr Flugblatt einige Unrichtigkeiten, von denen wir einige herausgreifen, weil sie besonders gravierende Irrtümer darstellen.

1. „Pattonville wird zum FlüchtlingsHotspot“:
Derzeit leben 530 Geflüchtete in Remseck am Neckar. Davon sieben Personen in Pattonville. (Eigentlich müssten es nach Ihrer Rechnung 32 % von Remseck am Neckar sein. Das wären 170 Personen!) Über 180 Geflüchtete leben in Aldingen; im kleinen Stadtteil Neckarrems über 100 Personen.In Kornwestheim hingegen wohnen aktuell 209 Geflüchtete in der Anschlussunterbringung. Kein Flüchtling, der im Rahmen der Anschlussunterbringung in Kornwestheim aufgenommen wurde, wohnt derzeit in Pattonville.
In der Arkansasstraße in Pattonville ist geplant, je 40 Geflüchtete aus Remseck am Neckar und Kornwestheim unterzubringen. Das sind – gemessen an der Größe des Stadtteils – sehr viel weniger als in den anderen Remsecker Stadtteilen. Ludwigsburg hat gar keinen Anteil an Geflüchteten in Pattonville.

2. Pattonville ist eine Schlafstadt:
Nein! In Pattonville gibt es einen besonders hohen Anteil an Familien. Auch leben sehr viele Senioren in Pattonville, z. B. im „Klettblatt“. Die Wohn- und Lebensqualität wird geprägt durch ein aktives Vereinsleben, einen intakten Einzelhandel und diverse Dienstleistungen wie z. B. Ärzte.

3. Neu Hinzugekommene als „perspektivlose und arbeitslose Männer, die die Sprache nicht beherrschen“ zu bezeichnen, ist diskriminierend. Es handelt sich um Anschlussunterbringung. Diese Menschen haben Bleibeperspektive, haben Sprachkurse oder sind zum Teil schon in Arbeit. Sie unterscheiden sich daher gar nicht so sehr von anderen Menschen, die bereits jetzt in Pattonville wohnen.

4. „Remsecker Schlossberg würde Geld spenden, damit dort keine Geflüchteten untergebracht werden“ – das ist eine interessante, aber völlig aus der Luft gegriffene Behauptung. Das Wohngebiet Schlossberg ist ein Teil des Stadtteils Neckarrems mit 110 Geflüchteten. Derzeit wohnen im Wohngebiet Schlossberg mit ca. 400 Einwohnern genau gleich viele Geflüchtete wie im gesamten Stadtteil Pattonville mit ca. 8.000 Einwohnern: nämlich sieben Personen.

5. Steigende Flüchtlingszahlen:
Das Ziel der Flüchtlingsunterbringung ist eine dezentrale Unterbringung. Wie gesagt: Bereits 530 Geflüchtete sind in Remseck am Neckar. In diesem Jahr sind noch 100 Personen zu erwarten, für die schon jetzt Wohnraum zur Verfügung steht (Neckarrems Hummelberg und Neckargröningen). Nächstes Jahr werden 100 bis 150 Personen neu kommen, davon 40 Personen nach Pattonville.

6. Die Betreuungssituation:
Derzeit ist in Remseck am Neckar allein ein Team von acht Mitarbeitern der AWO und die beim Oberbürgermeister angesiedelte Stabsstelle Integration mit zwei Mitarbeitern tätig. Dazu kommen noch ca. 50 Ehrenamtliche des überaus engagierten AK Asyl Remseck e. V., der sich um Geflüchtete kümmert. Von einer Betreuung von drei bis vier Personen kann also keine Rede sein.

Bitte verstehen Sie, dass wir hier nur auf einige Behauptungen aus Ihrem Schreiben eingehen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir uns am 4. und 7. Juli persönlich kennenlernen würden, damit wir ins Gespräch kommen. Kommen Sie doch einfach auf uns zu! Wir sind da und gesprächsbereit!

Nur so kann die Integration der Menschen gelingen.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Schönberger                               
Zweckverbandsvorsitzender  
           
Ursula Keck
Stellvertretende Zweckverbandsvorsitzende

Der offene Brief des Zweckverbands Pattonville steht Ihnen hier auch als Download zur Verfügung.

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